Nachtorgel bei Kerzenschein - ein Traum wurde Wirklichkeit: Seit mehr als zehn Jahren strömt freitags während der Sommermonate eine große Schar Musikliebhaber von nah und fern zu den internationalen Sommerkonzerten in die Dornumer St. Bartholomäuskirche. Abseits des lauten Alltags ist ihnen die kleine ostfriesische Dorfkirche bei beginnender Nacht ein Raum innerer Einkehr, das ausgesucht abwechslungsreiche Konzertprogramm geistige Anregung und Erquickung. Neben seiner für Ostfriesland ungewöhnlich reichen, freundlich lichten Barockausstattung mit zwei übereinander gelegenen Emporen birgt das aus dem 13. Jahrhundert stammende und auf einer Warf gelegene trutzige Gotteshaus mit seinem wuchtigen Glockenturm und der 300-jährigen Buche als besonderes Kleinod ein Repräsentationsinstrument von europäischer Bedeutung, handelt es sich doch bei der vom Arp-Schnitger-Schüler Gerhard von Holy 1710/11 erbauten Orgel um den einzigen in einer kleinen Dorfkirche erhaltenen Idealtypus einer auf drei Manualen mit Pedal vollständig disponierten hanseatischen Stadtorgel. Welch unerwarteter Klangreichtum, vom prächtig strahlenden Plenum und leuchtenden Zungen bis zu den singenden Flöten und Prinzipalen aus einer Zeitspanne von beinahe fünfhundert Jahren!
Die intime Atmosphäre des von Kerzen erleuchteten Kirchenraums stimmt die Zuhörer auf ein besonderes Hörerlebnis ein; ganz Ohr und dicht an der Entstehung der Klänge, gleichsam unmittelbar am Pfeifenmund erleben sie die Königin der Instrumente als beredtes Instrument. Wie fein sich Vokalfärbung und konsonantenreiche Ansprache der einzelnen Pfeifen unterscheiden! Ein „atmender Wind“ belebt dabei die Klänge. Anrührende innige Flötentöne lassen einen in sich hineinhorchen, geben Raum für die Stimmen des Herzens.
So war es auch im August 2009 als die Nachtorgel in Zusammenarbeit mit dem Musikalischen Sommer Ostfriesland ihre Türen öffnete. In der überfüllten Dorfkirche lauschte das Publikum wie gebannt einem Programm, das es mit Ausgangspunkt bei den Jubilaren Henry Purcell (1659 – 1695), Georg Friedrich Händel (1685 – 1759) und Joseph Haydn (1732 – 1809) mit auf eine Reise durch Zeit und Raum nahm, von der gotischen Musik des Buxheimer Orgelbuches aus der Entstehungszeit der Kirche bis in die Zeit der Wiener Klassik, von Italien bis nach Norddeutschland und England, von Weihnachten bis zum Ende des Kirchenjahres, vom Sonnenuntergang bis zum Morgengrauen. Wir haben versucht, etwas von der besonderen Atmosphäre dieses auch vom Norddeutschen Rundfunk NDRKultur aufgezeichneten Konzertes einzufangen. Mit Sweet bird – die Nachtigall träumt laden wir Sie ein, sich Zeit zu nehmen zum aufmerksamen Zuhören, jenseits hochstilisierter äußerlicher Brillanz den Geheimnissen der Nacht nachzuspüren: Music for a while.
zu bestellen unter: www.sagenhaphterverlag.de
Akroasis 1433-1
Videoclip "Sweet Bird" (In Penseroso) - Georg Friedrich Händel
entstanden während der CD-Produktion in der Bartholomäus-Kirche Dornum